Veröffentlichung Neuburger Kurier – Kirchenführung Sankt Johannes in Eschling

Berichterstattung des Neuburger Kuriers am 08./09.10.2016 über die Kirchenführung in Eschling

Ein Blick ins Mittelalter

Das Kirchlein Sankt Johannes in Eschling überstand den Bildersturm

Eschling (pm) Architekt Rainer Wilhelm blickt gerne in das Mittelalter. Doch wo gibt es in der ländlichen Gegend das entsprechende Anschauungsmaterial? Der gebürtige Staudheimer hat es in Kirchen ausfindig gemacht, die vom Bildersturm im 16. Jahrhundert verschont geblieben sind. Dazu zählt auch das Kirchlein Sankt Johannes der Evangelist in Eschling. Wahrscheinlich kamen vor knapp 500 Jahren keine  Bilderstürmer nach Eschling, oder sie hielten das Gotteshaus für zu unbedeutend. Sehr zur Freude der zahlreichen Mitglieder des Heimatgeschichtlichen Vereins Burgheim, die sich die Kirche unter der Führung von Rainer Wilhelm näher anschauten. Zunächst mutet es eher unverständlich an, dass in Eschling die Sakristei ausgemalt ist. Die wiederum war in längst vergangenen Zeiten der Hauptteil der Eschlinger Kirche als Altarraum einer Chorturmkapelle. Der aktuelle Altarraum stammt aus dem frühen Barock um 1650 und der Hauptteil ist wesentlich neuer. Die erste Ortsnennung von Eschling stammt aus dem Jahr 1214, wobei auch die herausragende Lage der Kirche „auf dem Buckel“ hervorgehoben wurde. Unter den drei Epochen, die in der Eschlinger Kirche ablesbar sind, ragen die Wandmalereien um 1200 heraus. An der Decke ist Jesus als Weltenherrscher zu sehen, eingerahmt von den vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Dabei stellt der unbekannte Maler die Segensgeste der Jesusfigur in den Mittelpunkt. An der südlichen Wand ist mit Erd-Farben der Besuch der Heiligen drei Könige vor dem Jesuskind mit Maria und Josef dargestellt. Die „Weisen aus dem Morgenland“ sind mit sehr unterschiedlichen Gesichtszügen dargestellt. Drei weitere Bilder in der Sakristei sind kaum zu deuten. Der Altar stammt aus dem frühen Barock, das dazugehörige Ölbild und die beiden Figuren an den Seiten sind deutlich jüngeren Datums. Früher standen an den Stellen der Figuren Maiensträuße. Die gibt es in Eschling immer noch, doch bisher fand man keinen Restaurator. Dazu sind auch volkstümliche Arbeiten in der Eschlinger Kirche zu sehen. Auffallend ist an
der Wand der barocken Kanzel von 1671 ein „Arma Christi“, also ein Kreuz, an dem die Leidenswerkzeuge Christi dargestellt sind. Hinzu kommen noch drei Würfel, mit denen um die Kleider Jesu gelost wurde und das Schweißtuch der Veronika. Die meisten Burgheimer Hobbyhistoriker waren vorher noch nie in der Eschlinger Kirche und nahmen doch nachhaltige Eindrücke mit. Der Heimatgeschichtliche Verein Burgheim wird die Reihe der Kirchenbesichtigungen mit Blick in das Mittelalter im nächsten Jahr fortsetzen. Dann wird Rainer Wilhelm den Burgheimern die Kirche von Dollnstein zeigen.