Bauen am unteren Lech

Als Gemeinschaftsprojekt von Rainer Wilhelm und Erich Hofgärtner entstand das Buch „Bauen am unteren Lech“

 

Vorwort

Bauernhöfe und Bauernhäuser sind wesentliche Bestandteile unserer Kulturlandschaft. Sie wurden mit regional verfügbaren Materialien und Energien errichtet und sind das Ergebnis einer engen Wechselbeziehung zwischen Mensch und Umwelt. Lage, Hausform und Grundriss wurden auf die jeweiligen Bedürfnisse abgestimmt. Die Verschiedenartigkeit der Bedingungen schuf regionale Haustypen, die das Bild der einzelnen Landschaften entscheidend mitgeprägt hatten. Die Häuser am Unteren Lech erscheinen als schlichte, unauffällige Mauerbauten mit Steildach. Mit ihrer Ausgewogenheit an Baukörperproportionen zeigen sie gestalterische Qualitäten.

 

Ein tief greifender Strukturwandel hat das Wesen und Erscheinungsbild unserer Dörfer in den letzten Jahrzehnten erheblich verändert. Die alten Bauernhäuser sind nahezu restlos verschwunden. Die mangelnde Einfügung der Neubauten in die Ortsstruktur, die übertriebene Verwendung unterschiedlicher Baustoffe und Zierformen verunstalten viele Dörfer. Eine Rückbesinnung auf die Bautradition bedeutet aber nicht, überlieferte Bauformen zu kopieren. Neue Nutzungen und Anforderungen sollten vielmehr die stilistische Eigenart der alten Bauernhäuser in eine zeitgemäße Architektur umsetzen. An ausgewählten Beispielen soll verdeutlicht werden, wie eine regional begründbare Bauästhetik einer beliebig verfügbaren Formenvielfalt Einhalt gebieten kann. Dabei stellen die aus dem Bereich des neuen Bauens gezeigten Objekte eine subjektive Auswahl des Verfassers dar.

 

Für eine baugeschichtliche Dokumentation ist es in jedem Fall sinnvoll, natur- und kulturräumliche Grenzen als geographische Grundlage zu wählen. So entstand die räumliche Festlegung auf ein Gebiet, das im Allgemeinen als Unterer Lechrain bezeichnet wird. Im Westen und Norden wird die Region eindeutig durch die Flüsse Lech und Donau begrenzt. Der Lech bildet eine der markantesten Dialekt- und Kulturgrenzen im deutschen Sprachgebiet. Schwieriger fällt die geographische Eingrenzung des Gebietes nach Süden und Osten. Wir haben uns dabei an der Ausdehnung des ehemaligen Landgerichts Rain orientiert. Hier trat die Region über Jahrhunderte auch als politische und administrative Einheit in Erscheinung. Der südliche Grenzverlauf des Landgerichts wurde durch die Orte Thierhaupten und Pöttmes markiert. Im Osten schloss sich das Territorium von Pfalz-Neuburg an. Burgheim, Ortlfing, Dezenacker und Ehekirchen waren Grenzorte und lagen bereits in Pfalz-Neuburgischem Gebiet. Es bot sich an, den gewählten geographischen Rahmen auch auf diese Dörfer auszudehnen. Die politische Grenzziehung wurde hier sowieso nicht als kullturgeographische Abgrenzung wirksam. Seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert wurde der Rainer Gerichts- und Verwaltungsspregel nahezu vollständig den Neuburger Ämtern angegliedert. Mit der Gebietreform von 1972 wurden die politischen Grenzen neu festgelegt. Das Gebiet des Unteren Lech wurde auf die Landkreise Aichach-Friedberg, Augsburg-Land, Donau-Ries und Neuburg-Schrobenhausen aufgeteilt. Die politische Neuordnung bedeutete einen Verlust an regionaler Identität. Nicht zuletzt deshalb haben wir der Bitte der IG Rainer Winkel, eine Gebäudedokumentation in dem beschriebenen geographischen Rahmen zu verfassen, gerne entsprochen.

Auf die enge Verbindung zwischen ländlichem und städtischem Bauen wird im Buch mehrfach hingewiesen. Aus Gründen der Materialfülle blieben Häuser städtischer Siedlungen (Burgheim, Pöttmes, Rain) aus der Dokumentation weitgehend ausgeklammert.

Zum Schluss möchten wir uns noch bei allen bedanken, die bei der Entstehung dieses Buches durch Mitarbeit und Hinweis hilfreich zur Seite standen: Karl Kühmoser/Unterpeiching, Franz Meitinger/Walda, Gerhard Pfitzmeier/Münster, Adalbert Riehl/Rain, Alois Rupp/Feldheim, Robert Ruttmann/Holzheim, Hannelore Schaller/ Baar und dem heimatgeschichtlichen Verein Burgheim (Albert Hoesch, Eberhard Waldrich). Zu großem Dank sind wir auch allen Bauherrn verpflichtet, die ihre Häuser für die Dokumentation zur Verfügung stellten.

 

Erich Hofgärtner und Rainer Wilhelm